Am Samstag, 15. September, fand für den Löschzug Stadtmitte der größte Übungsdienst des Jahres statt. Um 16 Uhr trafen sich ca. 30 Kameraden am Gerätehaus an der Thomasstraße.

Vier Mitglieder des Löschzuges hatten sich gleich mehrere Einsätze für ihre Löschzugkollegen überlegt, es wurde eine Art Berufsfeuerwehr simuliert, welche dauerhaft auf der Wache sitzt und von dort aus die Einsätze anfährt.

Als erste Einsatzmeldung wurde dem Zugführer eine verschüttete Person in einer Sandgrube bemi Raiffeisenmarkt in der Frankfurter Str. gemeldet.

Während der Überlegung, welche Fahrzeuge für diesen Einsatz benötigt würden. kam jedoch noch ein zweiter Einsatz: Person im Wasser am Ennepe-Vorstaubecken.

 

Los ging es zweigeteilt, das HLF 20 02, der Teleskopmast sowie der KDOW rückten aus zum Raiffeisen-Markt, für das Tanklöschfahrzeug, das andere Hilfeleistungslöschfahrzeug sowie den Rüstwagen ging es zur Wasserrettung.

Bei Eintreffen an der Genossenschaft wurde der Zugführer von einem aufgeregten Vater in Empfang genommen. Er war mit seinem Sohn Sand holen, sei selber kurz weg gewesen und als er wiederkam, war die Bruchkante vorne an dem Sandhaufen abgerutscht und der Sohn verschwunden.

Ein anwesender Zeuge hatte beobachtet, wie der Junge unter dem Sandhaufen begraben wurde.

Da nicht klar war, wo die Person verschüttet war, konnte der Sandhaufen aufgrund von Verletzungsgefahr für den Verschütteten nicht mit einem Frontlader weggeschaufelt werden, sondern musste per Hand abgetragen werden.

Mit einem Stab wurde der Bereich abgesucht um den Bereich, wo der Sand abgetragen werden muss, einzugrenzen.

Mit vereinter Manpower wurden mehrere Tonnen Sand umgegraben, bis schließlich die verschüttete Person – ein Dummy – gefunden wurde.

 

Sand 1

 

Am Ennepe-Vorstaubecken wurden die Kameraden schneller fündig – bereits beim Eintreffen des ersten Fahrzeuges hörten sie laute Hilferufe.

Ein junger Mann war ins Wasser gestürzt und konnte sich nur mit Mühe über Wasser halten.

Ein Feuerwehrmann, der als Rettungsschwimmer ausgebildet ist, ging mit einer Leine gesichert ins Wasser, um die Person mittels Spineboard, einer schwimmfähigen Kunststofftrage, zu retten. Parallel dazu bereiteten sich ein Rettungssanitäter und eine Krankenschwester, welche ehrenamtlich bei der Feuerwehr Halver tätig sind, darauf vor, die gerettete Person medizinisch zu betreuen, da in der fiktiven Lage kein Rettungswagen in unmittelbarer Nähe zur Verfügung stand und daher eine längere Anfahrt hat.

 

Wasserrettung

 

Auch diese Person wurde erfolgreich gerettet und der Löschzug Stadtmitte traf sich nach erledigter Arbeit wieder im Gerätehaus.

 

Als nächster Einsatz war ein Verkehrsunfall mit zwei Pkw gemeldet. Auf einer schmalen Straße zwischen den Ortschaften Hagebüchen und Schulten-Hedfeld waren zwei Pkw frontal zusammengestoßen und von der Fahrbahn abgekommen.

Bei Eintreffen sahen die Wehrleute einen Pkw rechts der Straße auf dem Dach liegend, brennend, mit einer verletzten Person, sowie auf der anderen Straßenseite einen auf der Seite liegenden Pkw mit Fahrer und Beifahrer, die im Fahrzeug eingeschlossen waren.

 

Höchste Priorität hatte die Versorgung der Verletzten und das Löschen des brennenden Pkw.

Das ersteintreffende HLF 20 02 sowie zur Brandbekämpfung das TLF4000 und zur Unterstützung der Rettung des Fahrers der Rüstwagen kümmerten sich um dieses Fahrzeug, während sich die Besatzung des HLF 20 01 sowie der Hubrettungsbühne um den auf der Seite liegenden Pkw kümmerten.

 

Nachdem das Feuer gelöscht war wurde das Fahrzeug mit Hilfe des sogenannten Stab-Fast-Systems gegen Umkippen gesichert. Der Fahrer, der eine Schnittwunde am linken Arm hatte, wurde durch einen Feuerwehrmann versorgt und anschließend die technische Rettung vorbereitet. Hierzu wurde mittels hydraulischer Schere die Rückbank teilweise entfernt und der Patient vorsichtig auf das Spineboard umgelagert, um eine mögliche Wirbelsäulenverletzung nicht zu verschlimmern. Anschließend wurde er durch die mittels Schere und Spreizer geschaffene Kofferraumöffnung vorsichtig herausgetragen und an den Rettungsdienst übergeben.

 

VU 1

 

VU 2

 

Parallel dazu lief auch die Rettung am zweiten Pkw. Auch dieser wurde mittels Stab-Fast und Unterbauholz gegen ein weiteres Umkippen gesichert, ehe die eigentliche Rettung beginnen konnte.

An diesem Pkw entschied man sich nach Rücksprache mit dem Rettungsdienst für eine schonende Rettung der Verletzten, da diese nicht lebensbedrohlich verletzt waren.

Zuerst wurden die Verletzten stabilisiert, zur Schonung der Halswirbelsäulen Nackenkrausen angelegt, die Wunden versorgt und, da beide nicht angeschnallt waren, der Fahrer leicht angehoben, damit er nicht weiter mit seinem gesamten Gewicht auf dem Beifahrer lastet. Anschließend wurden auch diese wirbelsäulenschonend gerettet und an den mit zwei Rettungswagen anwesenden Rettungsdienst übergeben.

 

VU 3

 

VU 4

 

Der letzte Einsatz des Tages führte die Kräfte zu einem Bauernhof in Hulvershorn. Ein Landwirt war bei Arbeiten in einem Futtermischwagen ohnmächtig geworden. Da der Futtermischwagen in einem Fahrsilo stand ging der Einsatzleiter davon aus, das nitrose Gase, welche bei Gärungsprozessen entstehen, Ursache für die Bewusstlosigkeit waren. Um die eigenen Einsatzkräfte zu schützen war ein Vorgehen in den Bereich nur unter Atemschutz möglich. Als erstes wurden mehrere Lüfter in Stellung gebracht, um die Gase aus dem Bereich „herauszudrücken“, zusätzlich wurde mit Hilfe von zwei Schlauchleitungen versucht, die Gase mit feinem Wassernebel zu binden und so eine weitere Verbreitung zu verhindern.

 

Zwei Trupps unter umluftunabhängigem Atemschutz führten eine erste Betreuung des Patienten durch, mittels Steckleiterteilen verschafften sie sich Zugang zu dem ca. 3,50 Meter hohen Futtermischwagen. Gleichzeitig bauten mehrere Kameraden ein Gerüst auf, welches primär zur Rettung von verunfallten Lkw-Fahrern gedacht ist.

Die erste Idee, den Patienten mittels Hubrettungsfahrzeug aus dem Futtermischwagen herauszuheben, wurde wieder verworfen, stattdessen wurde der Landwirt mit Hilfe einer Schleifkorbtrage über das Gerüst gerettet.

 

Nachdem dieser letzte Einsatz auch abgearbeitet war ging es zurück zur Thomasstraße, die Fahrzeuge wurden wieder einsatzbereit gemacht und es gab zur Stärkung noch Pizza für jeden, wobei das Fazit aller Beteiligten durchweg positiv ausfiel.

 

Besonderer Dank gilt den Kameraden, die den Dienst vorbereitet haben, den Verletztendarstellern, den Grundstücksbesitzern, die uns haben auf ihrem Gelände üben lassen und dem Rettungsdienst des Märkischen Kreises für die Unterstützung sowie den Kameraden der Löschzüge Buschhausen und Oberbrügge, welche den Einsatzleitwagen besetzten und uns so eine eigene Leitstelle zur Verfügung stellten.